Wie finanziere ich mein Psychologiestudium?

In diesem Artikel dreht sich alles um die teilweise belastende Frage, wie das Psychologiestudium finanziert werden kann. Dabei gehen wir auf offensichtliche Punkte, wie Finanzierung durch die Eltern ein, jedoch auch auf bisher weniger geläufige Finanzierungsmöglichkeiten und die notwendigen Hinweise, wie diese gefunden und beantragt werden können. Folgende Punkte erwarten Dich in diesem Artikel:

Finanzierung durch die Eltern

Wer Glück hat, kann sich das Studium von seinen Eltern finanzieren lassen. Bis zu 735 Euro stehen Dir monatlich zu Deiner Verfügung, während Kosten für mögliche Studiengebühren sowie Kranken- und Pflegeversicherungen oben drauf kommen, also zusätzlich von den Eltern übernommen werden müssen. Dies ist dann der Fall, wenn die Eltern genügend finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Grundsätzlich sind beide Elternteile unterhaltspflichtig. Wie viel vom jeweiligen Elternteil zu bezahlen ist, hängt vom Einkommen ab. Können die Eltern nicht zahlen, bist Du BAföG berichtigt (mehr dazu siehe unten). Auch sind Mischformen zwischen BAföG und einer elterlichen Finanzierung möglich.

Wie lange müssen Dich Deine Eltern unterstützen? Bis zu drei Monate nach Abschluss des Masterstudiums. Diese drei Monate gelten als Bewerbungszeitraum. Der Zeitraum umfasst die Regelstudienzeit. Solltest Du diese überschreiten, erlischt Dein Anspruch allerdings nicht. Dann wird die durchschnittliche Studienzeit für Dein Studium ermittelt. Daran wird sich orientiert, wie lange wirklich ausgezahlt wird. Solltest Du auch diese überschreiten, besteht für Dich kein Anspruch mehr auf elterliche Unterstützung.

Wenn Du ein Studium anfängst und bis Ende des dritten Semesters das Studium wechselst, ändert das nichts an der elterlichen Pflicht, für Dein Studium aufzukommen. Dieser Zeitrahmen gilt als Orientierungsphase, ob das Studium zu Dir passt. Bis zum vierten Semester solltest Du Dich also final entschieden haben.

Zudem muss das Masterstudium nur finanziert werden, wenn es inhaltlich zum Bachelorstudium passt. Da eine inhatliche Konnexion zwischen Bachelor und Masterstudiengang meistens Voraussetzung für zweiteren ist, sollte das kein Problem darstellen. Ein Zweitstudium müssen Eltern nicht finanzieren. Wenn Du nach dem Abitur/der Matura eine Ausbildung gemacht hast und erst dann das Studium begonnen hast, hast Du trotzdem einen Anspruch auf die elterliche Zahlung.

Du machst Dir Gedanken darüber, wie Du Dich mit den Eltern über die Zahlungen einigen kannst? Am sinnvollsten ist dabei ein klärendes Gespräch, das am besten schon vor dem Studium stattfindet. Wenn Deine Eltern nicht zahlen wollen, sei Dir, sofern sie in der Lage dazu wären, deines gesetzlichen Anspruches bewusst. Ist die Beziehung zwischen Euch ansonsten gut ausgeprägt, können sicher auch Einigungen erzielt werden. Du kannst geringfügig arbeiten gehen, nimmst elterliche Zahlungen in Anspruch und beides gemeinsam reicht dann häufig aus, um das Studium zu finanzieren. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt sind.

Auch ein Nebenjob kann Spaß machen.

Finanzierung durch Jobben

In den wenigsten Fällen ist es so, dass ein geringfügiger Nebenjob (10h  die Woche) die Studienzeit verzögert, bzw. eine derartige zeitliche Beanspruchung darstellt, dass gehöriger Stress entsteht. Für spätere Arbeitgeber ist es häufig ein Vorteil, bereits berufliche Erfahrung gesammelt zu haben, egal in welchem Bereich. Einschlägige Jobs sind natürlich auch interessenstechnisch spannender. Viele Studierende berichten aber auch dann von von interessanten Erlebnissen in Ihren Jobs, wenn diese nichts mit dem Studienfach zu tun haben. So gibt es gängige Arbeiten in der Gastronomie, Kellnern, Küchenhilfe, im Putzdienst, saisonal auf Weihnachtsmärkten, Babysitting und möglicherweise Jobs, welche man erstmal nicht als Studentenjobs im Kopf hat, wie Security oder auf dem Bau. In den meisten Städten gibt es unispezifische Jobbörsen, auf welchen Arbeitgeber Jobs anbieten, die speziell an studentische Jobber*innen gerichtet sind. Hier erhaltet Ihr eine Auflistung zu den entsprechenden städtischen Jobbörsen:

Ob Du dabei 100 oder 400 Euro verdienst ist egal, beides berührt Deinen möglichen Anspruch auf BAföG nicht. Geht es über die Gerinfügigkeitsgrenze hinaus, kann dies jedoch deinen BAföG-Anspruch mindern. Auch fallen dann Renten- und Sozialversicherungszahlungen an.

Ab einem 20 Stunden Job erfordert es zudem etwas mehr Koordination zwischen Arbeit und Studium. Zwar wirst Du mehr verdienen, jedoch kann sich Deine Studienzeit verzögern. Dies ist prinzipiell nichts schlechtes. Wenn Dir der Job Spaß macht, ist es oft schön, gleichzeitig zu arbeiten und zu studieren- die Abwechslung macht das interessant. Hin und wieder verlieren sich manche Student*innen am Ende des Studiums, vor allem wenn die Masterarbeit zu schreiben ist, in einem zu aufwändigen Job und bekommen Schwierigkeiten ihr Studium zu beenden. Diesbezüglich sei Dir geraten, dass Du gut auf Dich hörst und schaust, was Dir wirklich gut tut.

Finanzierung durch Stipendien

An österreichischen Hochschulen gibt es Leistungsstipendien. Voraussetzungen dazu sind unter anderem eine gewisse Anzahl an ECTS – Punkten, ein entsprechender Notenschnitt sowie die Einhaltung der Studienzeit. Das Leistungsstipendium ist eine einmalige Zahlung und kann jedes Jahr neu beantragt werden, sofern Du die Voraussetzungen erfüllst. Weitere Informationen der Universitäten findest Du hier:

Daneben gibt es auch Stipendien, welche unabhängig von Noten sind.

In Österreich wird beispielsweise das Selbsterhalterstipendium angeboten. Hast Du vor Deinem Studium mindestens vier Jahre lang selbst für Dein Einkommen gesorgt (mindestens 8580 Euro im Jahr verdient) und bist nicht älter als 29 Jahre, so kommst Du für dieses Stipendium in Frage. Weitere Informationen dazu erfährst Du auf der offiziellen österreichischen Stipendienseite.

Du musst dazu nicht in Österreich gearbeitet haben. Der Arbeit darfst Du zur Erlangung des Selbsterhalterstipendiums auch außerhalb von Österreich nachgegangen sein.

Neben universitären und staatlichen Stipendien gibt es auch private, welche aus der Wirtschaft kommen. So bieten beispielsweise auch Unternehmen eine finanzielle Unterstützung an. Stipendien gibt es also auch unabhängig von Deinen Noten. Oft sind dafür ehrenamtliches Engagement und berufliche Erfahrungen von Wert.

Eine hervorragende Website um einfach eine Übersicht über die verschiedensten Stipendienangebote zu erhalten ist myStipendium. Dies ist eine deutsche Suchmaschine für Stipendien. Sie zeigt allerdings auch Ergebnisse für Stipendien im Ausland, auch Österreich an. Dazu ganz einfach das Feld „Hochschule“ leer lassen oder „Noch nicht festgelegt“ ankreuzen.

Eine Weiter Möglichkeit, ein altersunabhängiges Stipendium zu erlangen, bietet die Deutsche Bildung. Hier kannst Du ein Stipendium unabhängig Deines Alters beantragen. Allerdings gibt es nur begrenzte Stipendienplätze pro Studienfach. Insofern ist es ratsam vor der Beantragung nachzufragen, ob das Studium der Psychologie momentan unterstützt wird. Darüber hinaus ist die Rückzahlung etwas trickreich. Verdienst Du nach dem Studium nur wenig Geld, musst Du auch weniger zurückzahlen. Teilweise nicht einmal den vollen Stipendienbetrag. Verdienst Du allerdings mehr, musst Du möglicherweise mehr zurückzahlen, als Du ausgezahlt bekommen hast. Auf der Seite von Studis Online findest Du eine ausführliche Diskussion dieses Themas.

Finanzierung durch Studienkredite

Wer nicht genügend Geld zur Verfügung hat, bzw. sich zu 100 % auf sein*ihr Studium konzentrieren möchte, kann einen Studienkredit beantragen. Doch was ist ein Studienkredit genau? Er unterscheidet sich von anderen Krediten, da die Zinssätze meist geringer sind. Darüber hinaus erhältst Du den Betrag nicht immer sofort in voller Höhe. Er wird meist monatlich ausgezahlt, wobei Du den gewünschten Betrag pro Monat oft selbst bestimmen kannst. Dieser liegt je nach Kreditgeberinstitut meist zwischen 100 – 600 Euro im Monat.

Bei manchen Studienkrediten gibt es Altersbeschränkungen und teilweise werden Leistungsnachweise vom Kreditgeberinstitut verlangt. Es lohnt sich die verschiedensten Kreditgeber zu vergleichen und Dich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Natürlich kannst Du auch immer bei Deiner bisherigen Bank nach einem Studienkredit fragen.

Studienkredite kannst Du in den meisten Fällen online beantragen. Im Verlauf der Kreditgewährung wird eine Bestätigung Deiner Identität gefragt sein. Dafür musst Du entweder zu einer Bank gehen und Deine Identität nachweisen oder diese online in einem Videochat belegen.

Bei der staatlichen KfW-Bankengruppe in Deutschland kannst Du Dich als Person mit deutscher Staatsbürgerschaft über einen Studienkredit informieren.

Willst Du einen Studienkredit in Österreich aufnehmen, kannst Du auf der Seite Durchblicker verschiedene Angebote vergleichen.

Studium finanzieren durch einen Kredit.

Finanzierung durch die Studienbeihilfe in Österreich

Für Dein Psychologiestudium in Österreich kannst Du Studienbeihilfe beantragen. Dies ist eine Zahlung des österreichischen Staates und beträgt in maximaler Höhe 8580 Euro im Jahr. Dies volle Höhe kriegst Du aber nicht immer, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen, die Du auf der offiziellen Stipendienseite nachlesen kannst. Die Alternative zum vollen Betrag ist 6000 Euro im Jahr.

Die Voraussetzungen um überhaupt für die Studienbeihilfe in Frage zu kommen, sind äußerst vielfältig:

  • Die vorgesehene Studiendauer darf nicht um mehr als ein Semester überschritten werden
  • Das Bachelorstudium muss vor dem 31. Lebensjahr gestartet werden. Ausnahmen kannst Du hier nachlesen
  • Es darf kein bisheriger Studienabschluss vorliegen
  • Du darfst das Studium nicht mehr als zweimal gewechselt haben .

Zudem spielt das Einkommen der Eltern eine Rolle bezüglich der Berechtigung und der Höhe der Studienbeihilfe. Unter bestimmten Umständen sind auch Nicht-Österreicher*innen berechtigt, Studienbeihilfe zu beziehen. Etwa, wenn die Eltern nicht in Österreich wohnen, dort jedoch schon seit gewisser Zeit arbeiten oder Du selbst schon vor Studienantritt in Österreich wohnst.

Hier gelangst Du zur Antragstellung für die Studienbeihilfe.

Finanzierung durch das BAföG in Deutschland

In Deutschland wird zudem das BAföG angeboten und  dieses steht Dir auch bei einem Studium im Ausland zu. Wichtig ist zu beachten, dass die Antragstellung häufig länger als erwartet dauert. Bis der Antrag nicht bewilligt ist, kriegst Du auch kein Geld. Für den Antrag benötigst Du eine Immatrikulationsbestätigung. Möchtest Du Psychologie in Österreich studieren, kannst Du den Antrag also erst stellen, sobald Du die Ergebnisse des Psychologie Aufnahmetests erhalten hast. Dein Studium beginnt im Oktober und ab da an bist Du berechtigt BAföG zu beziehen. Wenn der Antrag bis dahin jedoch noch nicht durch ist, kriegst Du im Oktober kein Geld. Wenn der Antrag im November bewilligt wird, kriegst du jedoch eine Rückzahlung für Oktober, da Du den Antrag rechtzeitig gestellt hast.

Hier gelangst Du zur Antragstellung für das BAföG, wenn Du nicht in Deutschland studierst.

Die Voraussetzung um BAföG zu beziehen erfüllst Du, sofern Du die deutsche Staatsbürgerschaft hast. Jedoch gibt es auch Ausnahmen, welche Du hier nachlesen kannst. Ebenso muss erwartbar sein, dass Du Dein Studium abschließt. Dies wird im Vorhinein als gegeben angenommen. Während des Studium wirst du allerdings Leistungsnachweise erbringen müssen. Die letzte Hürde ist das Alter. Möchtest Du für Dein Bachelorstudium Psychologie BAföG beantragen, darfst Du das 30. Lebensjahr nicht vollendet haben. Möchtest Du für Deinen Masterstudiengang Psychologie BAföG beantragen, darfst Du das 35. Lebensjahr nicht vollendet haben.

Finanzierung durch den Bildungskredit in Deutschland

Der Bildungskredit eignet sich für Dich erst, wenn Du im Studium weiter fortgeschritten bist, beispielsweise im Masterstudium Psychologie. Ob auch das Ende des Bachelorstudienganges dafür in Frage kommt, kannst Du problemlos hier erfragen.

Der Bildungskredit wird unabhängig von Deiner und der elterlichen finanziellen Situation gewährt. Er beträgt maximal 7200 Euro und wird in 24 Monatsraten von entweder 100, 200 oder 300 Euro ausgezahlt. Liegt die Notwendigkeit vor, kann auch auf einmal der Betrag von 3600 Euro ausgezahlt werden. Diese Notwendigkeit muss schriftlich begründet werden und liegt vor, wenn hohe, studienbezogene Ausgaben zu erwarten sind, die in kurzer Zeit anfallen. Hier gelangst Du zum Antrag des Bildungskredites.

Wie Du siehst, gibt es einige Möglichkeiten Dein Psychologie Studium in Österreich zu finanzieren. Die finanzielle Belastung kann häufig eine große Sorge darstellen. Die oberen Möglichkeiten sollen Dir Handlungsfähigkeit geben, Dich selbst um dieses große Lebensthema zu kümmern. Neben Dir gibt es viele andere Personen, die in einer ähnlichen Lage sind und sich Ihr Studium finanzieren müssen. Wenn Du Dir große Sorgen machst, erkundige Dich frühzeitig über mögliche Finanzierungswege und sprich über Deine Sorgen. Mit Deinen Freunden oder Deiner Familie. Die finanzielle Frage der Studienfinanzierung mag eine Hürde sein, jedoch eine zu bewältigende!